„Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden,
Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,
Hast du mein Herz zu warmer Lieb‘ entzunden,
Hast mich in eine beßre Welt entrückt!“

Franz Schubert, An die Musik


Konzerte

Paul von Nyiri: vom „urkomischen Bass“ zum „Singenden Diplomaten“

Paul von Nyiri wurde als Pál Sándor Nyíri (oder richtiger: Nyíri Pál Sándor, da im Ungarischen der Nachname zuerst genannt wird) am 7. September 1903 in Budapest in der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie geboren. Er war eines von vier Kindern des Post- und Telegrafenoffiziers und späteren Generalpostdirektors Vilmos Nyíri (1869-1955) und seiner Frau Melania, geborene Pachhofer (1880-1961), die aus Mauer in Niederösterreich stammte. Auf dieser Seite wird für Paul von Nyiri überwiegend die deutsche Schreibweise seines Namens benutzt, da auch er selbst vorzugsweise diese Version benutzte.

Der ursprüngliche Name der Familie war „Kandel“. Im ungarischen Zensus von 1828 taucht ein Chaim Kandel jüdischen Glaubens in Székely auf. 1837 lässt sich die ganze Familie taufen, und Chaim Kandel trägt von nun an den Vornamen Kristóf. Zusammen mit seiner Frau Rozália hat er zehn Kinder.

Sein Sohn, János Kandel, lässt 1848 den Familiennamen zu Nyíri magyarisieren, und wird 1901 für seine Verdienste von Kaiser (König) Franz Josef in den erblichen Adelsstand erhoben, so dass die Familie nun das Adelsprädikat Székelyi benutzen darf.

Das Wappen der Familie

Janos Nyíri hatte mindestens neun Kinder aus zwei Ehen. Einer seiner Söhne, Sándor Nyíri, war Feldmarschalleutnant und von 1903 bis 1905 ungarischer Verteidigungsminister. Ab 1910 war er Gardeoberleutnant und Hauskommandant der ungarischen Leibgarde. Sein jüngerer Bruder, Vilmos Nyíri, war Paul von Nyiris Vater.

Zur Zeit von Paul von Nyiris Geburt lebte die Familie im Budapester 11. Bezirk in der Bercsényi út 9.

Über seine frühen Jahre ist nur sehr wenig bekannt. Sein Abitur legte er im Jahr 1921 an der Militäroberrealschule in Eisenstadt im Burgenland ab ab. Man kann davon ausgehen, dass angesichts seines familiären Hintergrunds ihm sicher eine andere Karriere als die als Sänger vorgezeichnet war. Allerdings hatte auch sein Vater, Vilmos Nyíri, durchaus künstlerisches Talent, wie diese Zeichnungen beweisen:

Die Geschwister, gezeichnet von Vilmos Nyíri: Endre (der später Offizier wurde), Pál/Paul, Lilla und Edit.
Paul von Nyiri, gezeichnet von seinem Vater

Nach dem Abitur studierte er zunächst zwei Jahre lang an der Technischen Universität in Budapest, brach sein Studium aber ab und begann, bei der Allgemeinen Ungarischen Kreditbank zu arbeiten. Aus unbekannten Gründen wurde er 1924 aus dieser Stellung entlassen und war ab 1925 bei der Zentralen Finanzinstitution angestellt.

Im Dezember 1924 war er als Sänger an der Weihnachtsfeier der Új Iskola, einer bekannten, von der Pädagogin Emma Löllbach (ungarisch: Domokos Lászlóné) gegründeten Reformschule beteiligt, die immerhin im Kleinen Saal der Musikhochschule in Budapest stattfand. Gesangsunterricht erhielt er damals bei Ludovika Stark, einer angesehenen Budapester Konzertsängerin und Gesangspädagogin.

Am 1.Dezember 1925 strahlte der ungarische Rundfunk sein erstes Hörfunkprogramm aus, und spätestens seit Anfang Januar 1926 war Paul von Nyiri regelmäßig im Radio zu hören. Seine Eltern waren allerdings von seinen sängerischen Ambitionen alles andere als begeistert!

In dieser Radiosendung im Januar 1926 wurde Nyiri von einem jungen Budapester Pianisten begleitet der später Berühmtheit erlangte: Tibor Polgar. 8 Órai Ujság, 14. Januar 1926

Am 18. März 1926 hatte er zusammen mit einer jungen Organistin einen Konzertabend an der Musikakademie, einen seiner ersten öffentlichen Auftritte.

Budapesti Hírlap, 19. März 1926
„Erfolg ungarischer Talente im Ausland“, 14. Juni 1927, Budapesti Hírlap

Im Juni 1927 berichtet die Zeitung Budapesti Hírlap unter der Überschrift „Erfolg ungarischer Talente im Ausland“ erfreut, dass die Oper in Reichenberg (dem heutigen Liberec in Tschechien) den begabten 23jährigen ungarischen Sänger Nyíri Pál, einen Schüler von Ludovika Stark, als Ersten Bassisten unter Vertrag genommen habe.

Im April 1928 schreibt Pesti Hírlap: „Wieder können wir über den Erfolg eines jungen ungarischen Künstlers im Ausland berichten.“ Die Zeitung ist voll des Lobes über Nyiris Auftritt in „Die Hochzeit des Figaro“ an der Reichenberg Oper und zitiert Kritikerstimmen:

„…vermeidet jede Beliebigkeit in der musikalischen Farbgebung, seine Deklamation ist ausgezeichnet und auch in der Formgebung poliert.“

Im Dezember 1928 tritt er als Krankheitsvertretung in „Die Hochzeit des Figaro“an der ungarischen Staatsoper in Budapest in der Titelrolle auf. Die Zeitung Nemzeti Újsag schreibt darüber am 20.12.1928:

 „Er ist ungarischer Abstammung und lebt in Deutschland…. Sein Aussehen, seine ausgezeichnete, klare Aussprache und seine feine Spielweise verschafften ihm Erfolg und Anerkennung“

Ein weiterer Kritiker schreibt:

…er behandelt seine kostbare Stimme sehr gut. Intelligenter, musikalischer Sänger.“

Im Juni 1929 trat er als Mephisto in Gounods „Faust“ im Budapester Varosi Színház auf, zu dessen Ensemble er damals gehörte. Eine weitere Rolle, die er dort sang, war die des Kardinals Brogni in Jacques Fromental Halévys Oper „Die Jüdin“.

Einen Monat später übernahm er im Deutschen Theater in Prag als Krankheitsvertretung die Titelrolle im „Barbier von Bagdad“.

Prager Tagblatt, 6. Juli 1929

Aus der Zeit des Gastspiels in Prag existiert dieses Foto aus der tschechischen Presse, mit Dank an Eckhard Jirgens.

In einem Lebenslauf aus dem Außenhandelsministerium aus der Zeit seiner späteren Karriere als Regierungsbeamter heißt es, Nyiri habe in Paris, Berlin und Rom Gesangsunterricht genommen, und von 1927 bis 1938 als Opern- und Konzertsänger in Deutschland gearbeitet. Vermutlich fasste er um 1929 wie so viele junge Künstler den Entschluss, nach Berlin zu gehen.

Während er in Berlin tagsüber Gesangsstunden nahm, arbeitete er nachts an einem der Berliner Bahnhöfe, um seine Studien zu finanzieren (denn Unterstützung durch die Eltern gab es nicht). In Berlin lernte er seine spätere Ehefrau, die eigentlich aus Dortmund stammende Tänzerin Anna Jeanette Weiss kennen, die bei Oskar Schlemmer am Bauhaus und Max Reinhardt in Wien arbeitete. Ihr Vater war ein wohlhabender Geschäftsmann und stand ihren künstlerischen Ambitionen ebenfalls negativ gegenüber. Die beiden rechneten sich der Künstler-Bohème zu, die alles Bürgerliche ablehnte, was so weit ging, dass Anna Jeanette ihre spätere Heirat vor ihren Freundinnen zunächst geheim hielt und ein Sofa als Hochzeitsgeschenk (die beiden benutzten die studenten-üblichen Bananenkisten) als zu „spießbürgerlich“ abgelehnt wurde!

1933 war Anna Jeanette Weiss Mitglied des Tournee-Ensembles des bekannten expressionistischen Regisseurs Leopold Jessner, der nach der Auflösung seines Vertrages mit den Schauspielbühnen des Staatstheaters Berlin wegen seiner jüdischen Herkunft mit verschiedenen Stücken durch Belgien, die Niederlande und Großbritannien tourte. Anna Jeanette Weiss spielte auf solchen Tourneen zum Beispiel in „Nina“ von Bruno Frank.

Ab dem Sommer1932 gehörte Nyiri als Bass den Kardosch-Sängern an und trug mit seiner tiefen, kultivierten Bass-Stimme maßgeblich zur gesanglichen Qualität der Gruppe bei. Auch sein komödiantisches und schauspielerisches Talent findet in Kritiken lobende Erwähnung. Die Auftritte der Kardosch-Sänger bestanden ja keineswegs nur aus bloßem „Singen“ sondern schlossen nach allen zeitgenössischen Berichten auch reichlich Komödiantentum mit ein. Zum Beispiel schreibt die Sächsische Volkszeitung über ein Konzert im Dezember 1934:

Nach Art der Comedian Harmonists unterstützen sie ihr von erheblicher Musikalität (trotz allen Unsinns!) zeugendes Singen durch lebhafte Mimik – allen voran der urkomische Bassist – und durch Imitation von Instrumenten, so dass man manchmal Saxophone und andere Jazzinstrumente zu hören glaubt. Unverwüstlich in ihrer frohen Laune, dazu im Stimmlichen Famoses leistend, lassen sie die Zeit im Fluge vergehen.

Leider können wir Beispiele dafür nur hören, wie zum Beispiel die mit trockenem Humor eingestreuten Kommentare in „Wenn der Bobby und die Lisa“ oder „In der Nacht, da gib Acht“ oder auf den wenigen existierenden Fotos eine Ahnung davon bekommen.

Als sich die Kardosch-Sänger im November 1935 auflösten, war Nyiri bereits mit Anna Jeanette Weiss verheiratet: die beiden hatten sich am 30. Mai 1935 in Florenz das Ja-Wort gegeben. In Berlin lebten sie in der Güntzelstraße 57, zwei Häuser weiter, in der Nummer 53, wohnte von 1934 bis 1938 Marcel Reich-Ranicki mit seinen Eltern. Da Anna Jeanette jüdischer Herkunft war, verließen die beiden Berlin im Jahr 1938. Über ihren Aufenthaltsort zwischen 1935 und 1938 ist bisher leider nichts bekannt. Im Gegensatz zu Angermann und Coste taucht Paul von Nyiri nicht in Berliner Adressbüchern, Radioprogrammen, Konzertlisten oder auf Schallplatten jener Jahre auf. Nyiri hatte gehofft, in Italien Arbeit als Sänger zu finden, was ihm aber nicht gelang. Die Verzweiflung des jungen Paares war offensichtlich so groß, dass sie sogar über Selbstmord nachdachten, weil sie keine Zukunft für sich sahen. Schließlich entschlossen sie sich aber glücklicherweise doch, in Nyiris Heimat zu ziehen.

Dort wurde er bei der bekannten Goldberger-Textilfabrik angestellt, für die er mehrere Jahre arbeitete. Von 1941 bis 1944 musste er Militärdienst in der ungarischen Armee leisten, Details darüber sind leider bisher noch nicht bekannt. 1939 wurde die Tochter Júlia geboren, im Juni 1944 ein Sohn. Kristóf (oder Christoph) kam im Luftschutzbunker zur Welt, den Paul von Nyiri im Garten des kleinen Hauses in Rákosliget, das die Familie zur Miete bewohnte, angelegt hatte.

Anna Jeanette Nyiris Vater, Josef Weiß, ehemals Direktor der Mühlenwerke Kiesekamp in Münster, Westfalen, wurde am 1. November 1941 aus Berlin ins Ghetto von Lodz deportiert und kam entweder auf dem Transport oder im Ghetto ums Leben.

Während der deutschen Besetzung Budapests, also nach dem März 1944, wurde Paul von Nyiri von der Gestapo gesucht, vermutlich weil er zu denjenigen Budapestern gehörte, die versuchten, ihren jüdischen Mitbürgern zu helfen: es heißt, er sei bei der Beschaffung falscher Papiere beteiligt gewesen. Die Familie fand daraufhin kurzzeitig Unterschlupf bei Endre Nyíri, Pauls Bruder, der Offizier in der ungarischen Armee war.

Im Januar 1945 wurde Nyiri im Zuge der Deportationen ungarischer Bürger als Zivilist von der Roten Armee gefangengenommen und sollte wie viele andere Ungarn zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt werden. Über 4 Monate lang hörte seine Familie nichts von ihm, er konnte jedoch auf der Zugfahrt durch Rumänien fliehen. Seine Flucht wurde von einem auf einem Wagon postierten russischen Soldaten beobachtet, der aber nicht auf ihn schoss, wie er sich später in Erzählungen erinnerte. Er schlug sich zu Fuß zurück nach Budapest durch. Tochter Júlia erinnert sich wie er abgemagert und mit von Hunger aufgeblähtem Bauch eines Tages wieder auftauchte. Gegen Ende des Krieges lebte die Familie kurzzeitig in einer kleinen Wohnung in der Mogyoródi út 4, da sie aus dem gemieteten Haus in Rákosliget überstürzt hatte fliehen müssen. Anna Jeanette Nyiri (die von ihrer Familie „Ännchen“ genannt wurde, ansonsten aber den Rufnamen Jeanette benutzte) schreibt in einem Brief vom 19. Februar 1946 an ihre Schwester Lore Seelig, die nach England emigriert war und zu deren Familie seit 1941 kein Kontakt mehr bestanden hatte, über diese Zeit:

„Wo fange ich an?

Ich fange nicht an. Heute vor einem Jahr gingen wir für längere Zeit unter die Erde, was seitdem und vordem und währenddessen sich ereignete, ist so grausig, dass man es nicht erzählen soll. Wenn ich zufällig in den Spiegel sehe, wundere ich mich, dass aus meinem Gesicht die Züge nicht herausgefallen sind, nur herunter; ich habe noch ein komplettes Gesicht, und dann muss ich mit dem Kopf schütteln. Eines Tages, im Januar, verschwand der Durchlaucht und kam erst nach 4 1/2 Monaten auf merkwürdige Art wieder zurück. Das war die allerschwerste Zeit; einmal stand ich im Schnee mit den Kindern und den Koffern, innerhalb von 2 Stunden musste ich aus der Wohnung heraus, und hatte keine andere….

Durchlaucht ist Direktor und Teilhaber einer Aktiengesellschaft und gibt nebenbei Konzerte…
Mein Wunsch ist, fort von hier, und fürchterlich vieles zu vergessen…

Nach seiner Rückkehr hatte Nyiri mit einigen Freunden eine Aktiengesellschaft gegründet, die Liberté Werbe- und Handelsgesellschaft (Liberté Hirdetővállalat es kereskedelmi RT). Das Geschäft befand sich in der Andrássy út 27, direkt gegenüber dem Opernhaus:

Andrássy út 27 im September 2021

„…ist das eleganteste Geschäft in B. gegenüber der Oper (Bücher, Theaterbillets, Annoncen, Grammophon, Radio usw), leider wollen wir es immer verkaufen“

(Anna Jeanette Nyiri an ihre Schwester, Juni 1946)

Briefkopf der „Liberté Werbe- und Handelsgesellschaft“

„Ich habe nach meiner Rückkehr mit einigen Freunden eine Aktiengesellschaft gegründet; es ist ein Annoncenbüro, Theater- und Konzertkartenbüro, Radio und Schallplattengeschäft und Buchhandlung.“

(Paul von Nyiri an seine Schwägerin, Februar 1946)

Andrássy út 27

Anfang des Jahres hofft Nyiri auf ein mögliches Konzert in Wien im April und die Chance, dort Fuß zu fassen und weiter auszubauen. „Auf diese Weise wird es mir hoffentlich gelingen, bis nach England zu kommen“. Er schreibt auch „Unsere Erlebnisse wird man wohl nur mündlich wiedergeben können.“ (Brief an Lore Seelig, Februar 1946)

Im Frühjahr 1946 erreichte die Hyperinflation in Ungarn ihren Höhepunkt. Die Nyiris berichten ihren Verwandten in England von der Unmöglichkeit, mit der Inflation Schritt zu halten, und selbst die allernötigsten Lebensmittel zu beschaffen. Die Seeligs schicken Zigaretten, Kaffee, Kakao und Tee als Tauschobjekte und Bonbons und Vitaminpräparate für die Kinder. Die Situation ist so verzweifelt, dass Anna Jeanettes Schwester und ihr Mann anbieten, die Kinder der Nyiris zu sich kommen zu lassen. Paul von Nyiri schreibt im Mai 1946:

„Als ich vor einem Jahr zurückkam, habe ich mit einigen Freunden eine Unternehmung gegründet, und wäre uns die Inflation nicht davongelaufen, so würde uns das eine bescheidene, aber ziemlich sorgenfreie Existenz gesichert haben […]

Was mich betrifft, wie ich Euch geschrieben habe, beschäftige ich mich wieder intensiv mit dem Singen, hatte im Herbst ein sehr erfolgreiches Konzert, soll demnächst in Wien einen Liederabend geben – ich bin gerade dabei, meinen Pass zu besorgen – und vielleicht gelingt es mir auch, im Sommer in den Salzburger Festspielen mitzutun. Die tägliche Jagd nach den Millionen, d.h., jetzt schon Milliarden, lässt mir natürlich wenig Zeit, mich auch noch um meine Stimme zu kümmern, was für die kommende Saison von großem Schaden sein kann.

Im Juni berichtet seine Frau den Verwandten in London, dass Pauls Geschäft zwar sehr gut gehe, die Verhältnisse aber so merkwürdig seien, dass man trotzdem nichts kaufen könne.

„Als Sänger hat er großen Erfolg und wird hoffentlich bald in Wien und Salzburg auftreten, man findet, dass er der beste Liedersänger ist, und neulich haben bei der Dichterliebe (Heine) von Schumann alle Frauen Tränen vergossen – Es war unvergleichlich – und diese Dichterliebe habe ich mir als Grabgesang bestellt.“

Anna Jeanette Nyiri verbrachte den Sommer 1946 mit den Kindern in Máriabesnyő, ungefähr 1 1/2 Stunden außerhalb von Budapest, was eine gewisse Verbesserung der Lage bedeutete da es dort frisches Obst und Milch gab, allerdings konnte ihr Mann nur einmal in der Woche hinausfahren. Über ihren eigenen Gesundheitszustand berichtet sie, dass zu ihrem großen Schrecken ihr Gedächtnis gelitten habe, was sie sehr quäle und hilflos mache. Sie schreibt sie wiege nur 42 kg.

Paul fügt hinzu:

Brief von Paul von Nyíri, Juni 1946. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Familie Nyíri

Trotz der widrigen Umstände gab Nyiri im Jahr 1946 eine ganze Reihe von Konzerten. Im Juni 1946 berichtet die Zeitung Dolgozók Világlapja:

„Der bekannte ungarische Bassist Nyíri Pál, von dem man viele Jahren nichts gehört hat, ist auf die Bühne zurückgekehrt, und zwar nicht im Ausland, sondern zuhause. Er ist auf der Freiluftbühne des Tiergartens zu hören.“

Bei dem angekündigten Konzert handelt es sich um eine Aufführung von Puccinis „La Bohéme“ am 5. Juli 1946 auf der Bühne des Budapester Tiergartens, in der Nyiri die Rolle des Colline übernahm.

Es scheint als wiederholte sich die Geschichte: wie schon in den 20er Jahren versucht Paul von Nyiri sich den Traum von einer Sängerkarriere gegen äußere Widerstände und Widrigkeiten zu erfüllen.

Die Korrespondenz zwischen den Nyiris in Budapest und den Seeligs in London wird nun auf Englisch fortgeführt (und ist durch zahlreiche Verluste von Briefen, Fotos und Päckchen gekennzeichnet). Im Oktober schreibt Anna Jeanette:

„Paul is alright, he is preparing his big concert/ see enclosure/ yesterday he sang in the radio /Kodály-songs/, it’s a pity, you could not listen to him“ und Paul fügt hinzu: „I hope you are alright, do write again, it is so terrible to be in this way segregated.“

Bei dem erwähnten großen Konzert handelt es sich um einen Liederabend am 25. November 1946 an der Musikakademie, bei dem er Lieder von Beethoven, Mahler, Wolf, Mussorgsky und Debussy vortrug, begleitet von Miklós Lukásc, dem früheren und zukünftigen Leiter des Budapester Opernhauses (Lukász hatte vor dem Krieg wie Nyiri und Kardos in Deutschland gelebt und gearbeitet).

Werbezettel für das Konzert am 25. November 1946
5. Dezember 1946, Haladás

Der kurze Konzertbericht in „Haladás“ zum oben angekündigten Liederabend lobt Nyiri als „sehr ernsthaften Gesangskünstler“ der die Lieder von Beethoven, Wolf, Debussy und Mussorgsky plastisch und mit poetischer Schönheit sang.

Die Konzertpläne im Ausland zerschlugen sich und das Geschäft in der Andrássy út ging als Konsequenz der Hyperinflation bankrott, und es blieb Paul von Nyiri wohl keine andere Wahl als sich der wirtschaftlichen Notwendigkeit zu beugen: in den folgenden Jahren war er in verschiedenen Anstellungen für die Hochofenkoks-Versorgung Ungarns aus Polen und der Tschechoslowakei zuständig. Ab 1948 arbeitete er im Außenhandelsministerium im Hauptamt für Internationale Beziehungen, was ihn aber nicht daran hinderte, weiterhin wann immer möglich als Sänger aufzutreten, nun aber hauptsächlich im Rundfunk.

István kardos begleitet Paul von Nyiri. MTVA Archivum

Am 28. Januar 1950 wurde er bei einem Radioauftritt von István Kardos am Klavier begleitet, der zu jener Zeit für den ungarischen Rundfunk arbeitete.

20.08.1953, MTVA Archivum

1952 wurde Nyiri zum 1948/49 ins Leben gerufenen Künstler-Ensemble der Ungarischen Volksarmee (Magyar Néphadsereg Művészegyüttese) versetzt, dem er bis 1956 als Solo-Sänger angehörte und mit dem er unzählige Auftritte absolvierte. Um die Produktivität der Truppe zu illustrieren sei hier erwähnt, dass sie in den ersten 1500 Tagen ihres Bestehens 1000 Konzerte absolvierte, darunter auch viele im Ausland.

Bei einer Aufführung von „Rigoletto“ mit dem Künstlerensemble der Volksarmee, 1955.

„Rigoletto“ war die erste Opernproduktion des Honvéd Ensembles und kam in vielen verschiedenen Städten zur Aufführung. Die musikalische Leitung hatte János Kerekes, der vor dem Krieg von Juni bis November 1935 dem Meistersextett, der „arischen“ Nachfolgegruppe der Comedian Harmonists, angehört hatte. Allerdings war Kerekes Jude, was wohl erklären dürfte, warum sein Engagement nur kurz war! Ab 1952 hatte er die künstlerische Leitung der Solistentruppe des Armee-Ensembles.

Unter anderem war Paul von Nyiri auch an der legendären China-Reise des Ensembles beteiligt die am 7. September 1956 begann: 217 Beteiligte reisten zwei Wochen lang mit einem Sonderzug durch die Sowjetunion nach China, wo sie in zweieinhalb Monaten 104 Vorstellungen gaben und dann erneut zwei Wochen für die Rückreise benötigten, um an Weihnachten 1956 wieder in Budapest anzukommen.

Der Männerchor des Ensembles umfasste 72 Sänger, dazu kamen einige Opernsänger als Solisten (darunter Paul von Nyiri), ein Sinfonieorchester und eine 24-köpfige Tanztruppe mit ihrem eigenen Orchester. Zur Delegation gehörten auch politische Funktionäre, Sinologie-Studenten als Übersetzer, Bühnenarbeiter, ein Hals-Nasen-Ohren-Spezialist, Journalisten, ein Grafiker, eine Ballettmeisterin und, ein Bühnenschauspieler. Die Filmemacher Miklós Jancsó und Félix Bodrossy sollten die Reise begleiten und dokumentieren. Kurz vor seiner Abreise, am 6. September 1956, gab der Männerchor des Ensembles ein Konzert auf den Stufen des Nationalmuseums, wo sie unter anderem eine dem Chor gewidmete Komposition von Zoltán Kodály aufführten: eine Vertonung des bekannten und für Ungarn extrem bedeutungsvollen Gedichts „Nemzeti dal“ von Sándor Petőfi, das der Dichter und Revolutionär Petöfi auf eben jenen Stufen am 15. März 1848 zum ersten Mal verlesen haben soll. Hier ein kurzer Videoclip des Auftritts: https://filmhiradokonline.hu/watch.php?id=13108. Zu sehen sind Lajos Vass, der Dirigent des Chores, und Zoltan Kodály.

(Die Chinareise des Honved-Ensembles ist durch zwei Aufsätze von József Böröcz dokumentiert – sein Vater war als künstlerischer Leiter und Choreograph des Tanzensembles beteiligt – die sehr lesenswert sind: Performing socialist Hungary in China: ‘modern, Magyar, European’ und „Kivégeztek bennünket“. A Honvéd Együttes ötvenhatos forradalma Kínában. Böröcz interviewte dafür überlebende Teilnehmer der Reise.)

Szene aus dem Film von Jancsó und Bodrossy

Während der China-Reise erfuhren die Künstler vom Ungarischen Aufstand im Oktober 1956 und den gewalttätigen Auseinandersetzungen in Budapest, die mit der Niederschlagung des Aufstands endeten. Die politischen Meinungen innerhalb der Truppe waren unterschiedlich, wobei sich schnell ein „Revolutionskomittee“ unter Leitung von Lajos Vass bildete, wie József Böröcz berichtet, aber alle teilten natürlich die Sorge um Freunde und Angehörige und die Ungewissheit aufgrund der schlechten Informationslage. Die chinesischen Gastgeber boten dem Ensemble an, die Reise abzubrechen und nachhause zu fahren, aber die Künstler entschieden, die Tournee fortzusetzen. Während das Ensemble durch China reiste, kam der Aufstand in Budapest zu seinem Ende – am 12. November, acht Tage nach dem Einmarsch der Roten Armee, traf die Künstlertruppe wieder in Peking ein. Unangenehmerweise war im selben Hotel wie das ungarische Ensemble ein sowjetischer Zirkus einquartiert, eine Situation die das Hotel zu entspannen versuchte, indem es dafür sorgte, dass beide Gruppen nicht zur selben Zeit im Speisesaal waren. Außerdem wurde „im Namen aller Hotelangestellten“ ein Brief in ungarischer Sprache an alle Ensemblemitglieder verteilt, in dem Verständnis für ihre Lage geäußert wurde – den Hotelangestellten oblag die schwierige Aufgabe, die ungarischen und sowjetischen Künstler während der einen Woche, die sie in dieser aufgeladenen Situation unter demselben Dach verbringen mussten, voneinander fernzuhalten. Weiterhin bittet das Hotelpersonal die Künstler aus Ungarn, zu „entspannen“.

Davon kann allerdings keine Rede sein: zwischen dem 13. und dem 27. November absolvierte das Ensemble 20 Auftritte in der chinesischen Hauptstadt. Vermutlich am 27. November besuchte der chinesische Premierminister Zhou Enlai das ermüdete Ensemble nach Ende der Vorstellung hinter der Bühne und hielt eine lange Rede (die Angaben der von Böröcz interviewten Künstler schwanken zwischen 45 Minuten und vier Stunden, wo die „vier Stunden“ eher die gefühlte Länge darstellen dürften!), an deren Ende ein erschöpfter und wie der Rest der Truppe emotionaler Lajos Vass vorschlug, mit einem Lied zu antworten, und das Ensemble sang die Endre-Ady-Vertonung „Fölszállott a páva”, hier zu hören auf einer LP-Veröffentlichung des Chores aus dem Jahr 1957.

Am Vormittag desselben Tages hatte sich bereits der chinesische Präsident, Liu Shao-ch’i, mit den Leitern des Ensembles getroffen.

Auf der Rückreise durch die Sowjetunion sollte die Truppe in Moskau ein Konzert geben, um zu demonstrieren, dass die ungarisch-sowjetische Beziehung intakt seien, die Künstler weigerten sich allerdings und konnten daraufhin erst nach mehreren Tagen die Heimreise antreten.

Als Folge wurde das Künstler-Ensemble im Januar 1957 aufgelöst, angeblich aus wirtschaftlichen Gründen.

Im Laufe des Jahres 1957 wurde es, wenn auch in weitaus kleinerem Umfang, neu gegründet, was vermutlich auch der Fürsprache Zoltan Kodálys zu verdanken war. Paul Nyiri gehörte wieder zu den Solosängern, allerdings nahm seine Karriere nun eine neue Richtung und seine Zeit beim Honvéd-Ensemble war vorläufig zu Ende.

Mérleg Kereskedelmi, 1. September 1957

1957 wurde er zum Leiter der ungarischen Außenhandelsvertretung in Karatschi ernannt. Die Tatsache, dass er neben Ungarisch sechs Sprachen sprach (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch) prädestinierte ihn für den diplomatischen Dienst.

Ernennung zum Leiter des Außenhandelsbüros in Karatchi, 17. August 1957. Quelle: Hungaricana, Ungarisches Nationalarchiv

Aus diesem Anlass interviewt ihn die Zeitung Mérleg Kereskedelmi, und auf die Frage nach seiner beruflichen Vergangenheit erwidert er „mit einem Lächeln“ dass er zwei Berufe habe, beide mit einer „internationalen Dimension“: er sei seit 30 Jahren Sänger, die letzten 5 als Solosänger im Künstlerensemble der Armee, und habe seit 1948 im Außenhandel gearbeitet.

Die nächsten Jahre verbrachte die Familie Nyiri in Asien, zunächst in Karatschi, dann in Djakarta.

Paul von Nyiri in der Bildmitte

Die Ausschnitte stammen aus dem Magazin „The Diplomat“ aus dem Jahr 1958 und wurden freundlicherweise von Joseph Seelig zur Verfügung gestellt.

Diplomatischer Empfang in Karatschi 1958, Anna Jeanette Nyiri im hellen Kleid
Visitenkarte aus der Zeit in Djakarta

Paul von Nyiri in den sechziger Jahren

Mit John Steinbeck in Budapest, Hajdú Bihari Napló, 4. Dezember 1963

Anfang der 60er Jahre war er wieder in Budapest und wurde dort 1963 Abteilungsleiter des Instituts für Kulturelle Beziehungen der ungarischen Regierung (KKI). In dieser Funktion organisierte er unter anderem die Besuche westlicher Künstler in Ungarn, wie zum Beispiel John Steinbeck.

Die Nyiris lebten damals in diesem Haus im Bezirk Rákosliget.
Das Namensschild wurde noch von Paul von Nyiri angebracht.

Erstaunlicherweise trat er neben seiner Arbeit als Regierungsbeamter immer wieder bei Konzerten und Liederabenden auf, zum Beispiel wieder als Solist mit dem Chor der ungarischen Armee, was ihm den Spitznamen „der singende Diplomat“ einbrachte. Selbst in seiner Zeit in Asien gab er private Liederabende. Sein Enkel Pál Nyíri erinnert sich, einmal in einem Zeitungsartikel über seinen Großvater, den „long-haired Hungarian charge-d’affaires“ gelesen zu haben!

Nach seiner Pensionierung 1963 oder 64 konnte er sich wieder vermehrt sängerischen Aktivitäten widmen und war regelmäßig im Sommer an Aufführungen bei den Festspielen in Szombathely beteiligt, wo er in den ersten drei Jahren der Festspiele als Sarastro auftrat. Hier einige Zeitungsberichte aus dem Sommer 1965:

Bei den Proben, noch „in Zivil“: Zalai Hírlap, 20.8.1965
Vas Népe, 15.8.1965
Fejér Megyei Hírlap, 3.8.1965

Mozarts Zauberflöte in Szombathely
Zum dritten Mal wird Mozarts wunderbare Oper Die Zauberflöte im Izeum in Szombathely aufgeführt. Ein herausragendes Kulturereignis dieser Stadt: Zwischen den Säulen des rekonstruierten Tempels der ägyptischen Göttin erklingen zeitlose Melodien in der Interpretation der Künstler der Staatsoper unter der Regie von Klára Huszár.
Die Arbeit wird am 14. und 15. August ab 20 Uhr gezeigt. Die Nachfrage wächst von Jahr zu Jahr und Liebhaber kultureller Köstlichkeiten kommen nicht nur aus verschiedenen Landesteilen, sondern auch aus dem benachbarten Österreich und anderen Ländern…. Das Szombathely-Sinfonieorchester wird von András Kórodi (
Erster Dirigent der Budapester Staatsoper) dirigiert, außerdem treten der Erkel-Chor und die Ballettschule auf. Die Proben haben bereits begonnen und einige Tage vor der Vorstellung finden einige Hauptproben statt, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.
Die Hauptrollen der Mozart-Oper werden von Pál Nyíri, Alfonz Bartha, Karola Ágai, Margit László, Kornélia Lorenz, Nóra Svéd, Tibor Nádas, Vali Koltay, László Külkey, Ilona Hankiss und Zsuzsa Barlay gesungen.“

Eine private Tonbandaufnahme vermutlich aus den 70er Jahren mit einem Stück aus der Zauberflöte. Aufnahmen aus dem ungarischen Rundfunk können hier leider aus rechtlichen Gründen nicht präsentiert werden.

Außerdem gab er weiterhin Liederabende, zum Beispiel am 14. Mai 1964, zusammen mit dem Gitarristen László Szendrey-Karper und der bekannten Pianistin Emmi Varasdy. 1966 war er als Solist an einer Konzertreise in die Mongolei (mit Emmy Varasdy) und im folgenden Jahr in die Sowjetunion beteiligt. Bis in die 70er Jahre hinein konnte man ihn im ungarischen Rundfunk hören, so dass seine Stimme dort für mehr als 50 Jahre erklang.

Sein Neffe Joseph Seelig, der ihn in den 60er Jahren kennenlernte, erzählt 2021 über seinen Onkel: „He was fluent in a lot of languages, and my mother told me that he could make good jokes in many of them. He was an elegant, serious man, and very kind. I could sometimes hear him singing lieder and playing the piano in his study.“

(„Er sprach viele Sprachen fließend und meine Mutter erzählte mir, dass er in vielen von ihnen Witze machen konnte. Er war ein eleganter, ernsthafter Mann, und sehr freundlich. Ich konnte ihn manchmal in seinem Arbeitszimmer Lieder singen und Klavier spielen hören.“)

Nyiris Klavier in seinem ehemaligen Arbeitszimmer, September 2021
…und seine Noten
Nyiris Sammlung von Kardosch-Platten. Auch hier eine Entschuldigung für die teils unscharfen Fotos. Wenn man plötzlich vor der Platten- und Andenkensammlung eines Kardosch-Sängers in dessen ehemaligem Wohnzimmer steht, ist das ein ziemlich überwältigender Moment.

In den 60er Jahren erhielt Anna Jeanette Nyiri im Rahmen ihres Entschädigungsverfahrens die (bundes-) deutsche Staatsbürgerschaft zurück und das Ehepaar verbrachte von nun an regelmäßig Zeit in Westdeutschland und Berlin. 1968 hatten sie eine Wohnung in der Bundesallee 31 in Berlin, nur wenige Schritte von ihrer alten Wohnung in der Güntzelstraße entfernt. Man fragt sich mit welchen Gefühlen Paul von Nyiri mehr als 30 Jahre nach seinen Erfolgen mit den Kardosch-Sängern in die Stadt zurückkehrte und mit welchen Augen er sie sah. Von 1972 bis 1976 lebten die Nyiris zeitweise in Buchen im Odenwald bei der Künstlerin Alexandra Röhl, die Anna Jeanette Nyiri aus ihren Bauhaus-Tagen kannte. Auch Paul von Nyiri besaß nun die bundesdeutsche Staatsbürgerschaft und einen bundesdeutschen Führerschein. Nach Alexandra Röhls Tod im Januar 1976 meldeten sich die Nyiris wieder nach Berlin um.

Paul von Nyiris bundesdeutscher Reisepass
…und sein Führerschein
Andenken an einen Skat-Abend in Berlin

Paul von Nyiri starb nach einem langen Krankenhausaufenthalt einen Tag nach seinem 78. Geburtstag in Budapest an einer Lungenentzündung, eine Spätfolge einer Tuberkulose-Infektion in den 40er Jahren. Seine Frau starb 1991.

Ein halbes Jahr vor seinem Tod, für seine Frau.
Das Grab des Ehepaars auf dem Új Köztemető (Neuer Friedhof) in Budapest, September 2021
Der Új Köztemető in der Kozma ut. 8-10

Ihr Sohn, Kristóf Nyíri, ist Philosoph, die Tochter Júlia Nyíri Physikerin. Ihr Mann war der russische Physiker Vladimir Gribov (1930-1997) dem zu Ehren seit 2001 alle zwei Jahre von der Europäischen Physikalischen Gesellschaft die Gribov Medal an junge Physiker verliehen wird.

Zwei von Nyiris Großneffen, Paul und Johannes Marsovszky, setzen als Dirigenten die musikalische Tradition fort. Der Anthropologe und Buchautor Pál Nyíri ist sein Enkel.

Zur Schreibweise des Namens: Paul von Nyiri selbst hat auch noch in seiner Zeit als Diplomat Visitenkarten benutzt, auf denen die deutsche Version seines Namens zu lesen war: Paul Alexander Nyiri (natürlich ohne das „von“). Deshalb habe ich mich entschieden, hier ebenfalls die deutsche Version zu benutzen, zumal er ja auch später die deutsche Staatsbürgerschaft bekam und im deutschen Sprachraum seinen deutschen Namen benutzte.

Links oben auf dieser Karte von Anna Jeanette Nyiri aus dem Jahr 1940, das Monogramm „P v N“

Quellen:

Mein größter Dank geht an Paul von Nyiris Tochter, Júlia Nyíri, und an ihren Sohn, Pál Nyíri, die ich in Budapest treffen durfte. Beide waren mir eine unschätzbare Hilfe bei der Arbeit an dieser Biografie. Besonders danke ich für die großzügige Einsicht in Briefe, Dokumente und persönliche Erinnerungen, die sie mir freundlicherweise gewährten, und für die Fotos, die ich verwenden darf.

Außerdem danke ich Joseph Seelig, London, für seine freundliche Unterstützung, und Familie Coste für die Fotos aus der Kardosch-Sänger-Zeit.

Weitere Quellen: