„Wer die Musik liebt, kann nie ganz unglücklich werden.“

Franz Schubert


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Der Erste Tenor – das Multitalent

Das Erstaunliche an Zeno Costes Geschichte ist, dass er gleich zweien der bekanntesten und beliebtesten Vokalgruppen der 30er Jahre angehörte (sein Engagement beim „Meistersextett“ war kurz, aber immerhin war er bei der wohl bekanntesten Aufnahme der Gruppe dabei!). Seine Stimme ist in einem der bekanntesten Zarah-Leander Filme zu hören, und mit seiner ersten Gruppe, den „Parkers“ sang er die beliebtesten Schlager der Zeit mit allen populären Orchestern der frühen 30er Jahre. Die Geschichte wird noch erstaunlicher, wenn man erfährt, dass er drei Jahre lang einen Leichtathletik-Rekord hielt, um ein Haar Rumänien bei den Olympischen Spielen 1928 vertreten hätte, im ersten rumänischen Tonfilm mitwirkte und nebenbei ein Ingenieursstudium absolvierte! Man stellt sich unwillkürlich zwei Fragen: Erstens, gab es etwas was er nicht konnte, und zweitens – warum kennt man weder in Rumänien noch in Deutschland seinen Namen?

Zeno Coste wurde am 30. Mai 1907 in dem kleinen Dorf Ciacova im damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Banat in eine angesehene Familie hineingeboren. Sein Vater Iuliu Coste war Rechtsanwalt und Lokalpolitiker. Er und seine Frau Zoe hatten neben Zeno drei weitere Kinder: Brutus, der drei Jahre jünger war, und die zwei Mädchen Zoe und Hortensia.

Foto vom September 2021, M. Wunsch

Seine Tochter Ileana berichtet von eher schlechten Erinnerungen an seine Schulzeit dort (obwohl er ein sehr guter Schüler war), was einen angesichts der auch im Jahr 2021 noch recht strengen pädagogischen Ausrichtung der Schule nicht wundern kann! 1919 kehrte er aufgrund der Umstände nachhause zurück.

Von 1917 bis 1919 besuchte Zeno das Katholische Universitätsgymnasium im Budapester II. Bezirk (heute Budapesti Egyetemi Katolicus Gimnázium).

September 2021, M. Wunsch

Das Banat nach dem 1. Weltkrieg

Vor dem 1. Weltkrieg gehörte das Banat zum Königreich Ungarn und somit zur Österreich-Ungarischen Doppelmonarchie. Nach dem Ende der k.u.k Monarchie erhoben Ungarn, Kroaten, Serben und Rumänen Anspruch auf die Region. In einem Versuch das multiethnische Banat vor einer Teilung zu bewahren, wurde am 1. November 1918 in Temesvár die Banater Republik ausgerufen, die allerdings nur bis zum Einmarsch serbischer Truppen am 15. November Bestand hatte.

Das Banat wird rumänisch

Am 1. Dezember 1918 sollte Iuliu Coste als Teil der rumänischen Delegation aus Ciacova nach Alba Iulia reisen, wo sich Vertreter der im zerfallenden Königreich Ungarn lebenden Rumänen zu einer Nationalversammlung trafen. Die Abordnung wurde jedoch am Bahnhof von Temesvár vom serbischen Militär festgesetzt und an der Weiterreise gehindert. Am 3. August 1919 zogen rumänische Truppen in Temesvár ein, im Juni 1920 schließlich wurde die Stadt Rumänien zugesprochen.

Somit waren die Costes nun Bürger des neuen „Großrumäniens“. 1921 zog die Familie nach Temesvár (nun Timișoara) um, wo Iuliu Coste bis 1947 seine Anwaltspraxis betrieb. In den 20er Jahren war er zweimal Präfekt des Bezirkes Timiș-Torontal.

Einige Ansichten von Timișoara aus dem frühen 20. Jahrhundert:

Zeno besuchte das Lyzeum Constantin Diaconovici Loga in Timișoara – das erste rumänische Gymnasium im Banat – und ging nach dem Abitur nach Berlin, um an der Technischen Universität in Charlottenburg ein Ingenieursstudium aufzunehmen. Beide Coste-Söhne waren als Leichtathleten aktiv: Zeno in verschiedenen Wurf-Disziplinen, aber auch im Hochsprung, 110 m Hürdenlauf, und Sprint! Von 1927 bis 1930 hielt er den rumänischen Rekord im „Beidhändigen Gewichtwerfen“ (eine Disziplin die zweitweise olympisch war), ebenso wie zeitweise den Rekord im Kugelstoßen. Auch in Berlin nahm er erfolgreich an den Hochschulmeisterschaften teil: dreimal hintereinander gewann er die Meisterschaften im Kugelstoßen. 1929 war er mit der rumänischen Mannschaft an den ersten, noch inoffiziellen Balkanspielen in Athen beteiligt.

Boabe de Grau, 1931
Das Czernowitzer Morgenblatt am 3. Januar 1926. Quelle: DifMOE
Die rumänischen Leichtathletik-Rekorde in der ungarisch-sprachigen Banater Zeitung Ellenzék, 9.November 1929

1928 hätte er an den Olympischen Spielen in Amsterdam teilnehmen sollen. Die Stadt Timișoara und der Kreis Timiș übernahmen die Kosten für die Teilnahme Costes und eines weiteren Athleten, aber der rumänische Verband entsandte stattdessen einen anderen Sportler. Zeno fuhr auf eigene Kosten nach Amsterdam, wo er aber nicht einmal eine Eintrittskarte für die Wettkämpfe bekam, wie sein kämpferischer Bruder Brutus – neben zahlreichen anderen Missständen in der rumänischen Delegation – in einem flammenden Zeitungsartikel kritisiert. Im folgenden Jahr durften die Leichtathleten aus Timiș aus finanziellen Gründen nicht zu den nationalen Meisterschaften reisen, was Brutus Coste erneut veranlasste, für seinen großen Bruder auf die journalistischen Barrikaden zu gehen. Schließlich wurde Brutus nach weiteren kritischen Äußerungen im Zusammenhang mit den Balkanspielen 1929 vom Verband für zwei Monate gesperrt (seine rebellische Ader zeigte sich schon früh!).

REALITATEA ILUSTRATĂ, 11. Juni 1931: „Der junge Mann, der in Ciuleandra das Lied ‚Păpuşica‘ sang, ist Zeno Coste.“ Quelle: Biblioteca Digitala BCU Cluj
 

Ellenzék berichtet am 1. November 1930 „Zeno Coste, Kinizsis exzellenter Kraftsportler“ sei nach Berlin gegangen um Schauspieler zu werden und habe im Tonfilm „Ciuleandra“ ausgezeichnete Arbeit geleistet.
Werbung für Ciuleandra

Zeno begann sich unterdessen mehr auf seine künstlerische Laufbahn zu konzentrieren. Er sang das Lied „Păpuşica“ im ersten rumänischen Tonfilm „Ciuleandra“, und nahm in Berlin und Mailand Gesangsunterricht.

Filmfoto – Zeno links an der Bar

Mehr zu „Ciuleandra“ in der Filmografie!

Vater Iuliu Coste, der ehemalige Präfekt, war von den sängerischen und schauspielerischen Ambitionen seines Sohnes ebenso wenig begeistert wie die Eltern Paul von Nyiris in Budapest, aber da Zeno zunächst Ingenieurwesen studierte und Gesang und Schauspielerei nur nebenberuflich betrieb, blieb ihm, anders als Nyiri, dem der strenge Vater den Geldhahn zugedreht hatte, das Fegen von Bahnhöfen erspart! 1931 schloß Zeno sein Studium erfolgreich ab.

Mitte Dezember 1930 nahm Zeno für das Label Columbia in Berlin 14 Stücke in rumänischer Sprache auf, darunter Hits wie „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ oder Paul Abrahams „Good Night“ – zu dem sein ebenso vielseitig begabter Bruder die rumänische Übersetzung beisteuerte:

Brutus Coste als Textdichter! (Columbia-Aufnahmebücher)

Allerdings taucht in der Werbung für Zenos Platten sein Name nicht auf, stattdessen wird als Textdichter ein gewisser „B. Călin“ genannt. Brutus hatte damals schon ehrgeizige und konkrete politische Pläne, und Schlagertext-Schreiber war wohl keine Beschäftigung, die er im Hinblick auf seine angesteuerte politische Zukunft adäquat fand. Den rumänischen Text zu „Frag nicht warum“ („Nu mă întreba“) steuerte Zeno selbst bei. Man kann davon ausgehen, dass beide Brüder von Haus aus drei-sprachig waren: rumänisch, ungarisch und deutsch. Außerdem beherrschte Zeno Spanisch, Italienisch und Französisch!

Mehr Details zu den Columbia-Platten gibt es in der Diskografie.

Die Zeitungen zuhause in Timișoara nehmen regen Anteil an seiner beginnenden Sängerkarriere – als Sohn des ehemaligen Präfekten und ehemals erfolgreicher Athlet ist er natürlich von großem Interesse für die Medien, und es wird zuhause in drei Sprachen über seine Plattenaufnahmen berichtet:

Noch mehr Presseberichte gibt es hier.


Offensichtlich besaß Zeno aber noch ein weiteres künstlerisches Talent: Dr. Nicholas Dima, ein späterer Weggefährte seines Bruders, erzählt: „As of Zeno, the only thing I remember is that Brutus once told us that his brother used to draw different sketches and one of them was of himself (Brutus) which was somehow funny and he kept it for a while. My own conclusion is that his brother Zeno was a little older than him and had early artistic inclinations.“

(„Was Zeno betrifft: das einzige, woran ich mich erinnere ist, dass Brutus uns einmal erzählte, dass sein Bruder verschiedene Zeichnungen anfertigte, und eine davon war von ihm – Brutus – und ziemlich komisch, und dass er sie eine Zeitlang aufbewahrte. Meine Schlussfolgerung ist, dass sein Bruder Zeno etwas älter war und schon früh künstlerische Neigungen besaß.“)

1931/32 gehörte Zeno Coste der Gesangsgruppe „Die Parker“ an, die auf einer ganzen Reihe von Platten als Refrainsänger mit bekannten Orchestern zu hören sind, zum Beispiel mit Bernhard Etté, George Nettelmann, Ilja Livschakoff oder Billy Bartholomew. Ihre Aufnahme des Couplets „Morgen geht’s uns gut“ mit dem Orchester George Nettelmann und Kurt Mühlhardt als Solosänger aus dem gleichnamigen Singspiel, ist ein Kult-Titel. Ebenso hörenswert ihr „Sag mir mal Schnucki auf Spanisch“ mit Lizzi Waldmüller, unter der Leitung von Jean Gilbert. Über die sängerischen Qualitäten der anderen Mitglieder außer Zeno Coste lässt sich streiten – oder vielleicht auch nicht! – aber ihre Aufnahmen machen Spaß und sie wurden 1931/32 gern und oft als Refrainsänger engagiert. Leider ist über die anderen Mitglieder der Gruppe nichts bekannt. Mit ihnen wirkte Zeno an zwei Filmen mit großen Stars der Weimarer Republik mit: „Melodie der Liebe“ mit Richard Tauber, und „Die spanische Fliege“ mit Lizzi Waldmüller.

Die Parker im Film „Die spanische Fliege“, 1931

Sein Talent erkannte 1932 István Kardos und nahm ihn als ersten Tenor in sein neugegründetes Vokal-ensemble „Die Kardosch-Sänger“ auf:

Auf Tour, vermutlich 1933. Von links nach rechts: Paul von Nyiri, Fritz Angermann, Zeno Coste, István Kardos und der unbekannte zweite Tenor. Die Herrschaften am Tisch sind unbekannt, vielleicht kann sie jemand identifizieren?
Auf der Bühne im Wintergarten: Angermann, Schuricke (der im Oktober 1933 den unbekannten zweiten Tenor ersetzt hatte), Coste und Nyiri.

Bis 1935 feierten die Kardosch-Sänger große Erfolge: sie füllten gewissermaßen die Lücke, die das Verschwinden der Comedian Harmonists aus den deutschen Konzertsälen und Studios hinterlassen hatte. 1934 und ’35 gingen sie mit Willy Reichert auf Tournee, aus dieser Zeit stammt diese Widmung der Schauspielerin Tilly Kratz an Zeno Coste:

„Dem großen Baby alles Gute“. Noch mehr solche Widmungen gibt es hier.
Angermann, Schuricke, Coste und Nyiri
Coste, der namenlose zweite Tenor, Angermann und Nyiri

Diese Fotos dürften illustrieren, warum Tilly Kratz Zeno als „großes Baby“ bezeichnete!

Ein paar Tage vor den letzten Aufnahmen der Kardosch-Sänger, am 11. November 1935, heiratete Zeno in Berlin-Wilmersdorf Helene Anna Kryszewska. Zu diesem Zeitpunkt lebte er in der Westfälischen Straße 58 in Berlin-Halensee (im zweiten Stock).

Die Westfälische Straße 58 im Sommer 2021, Fotos M. Wunsch

Nach dem Ende der Kardosch-Sänger war er 1935/36 am Theater des Volkes engagiert. Von August bis Oktober 1936 stand er als Interimstenor beim Meistersextett unter Vertrag und wirkte an folgenden Plattenaufnahmen mit:

  • In Mexiko / Ich wollt‘ ich wär‘ ein Huhn (28. August 1936)
  • Ja der Ozean ist groß / Schreit alle Hurra (21. September 1936)
  • Der Piccolino /Hand in Hand (9.10.1936)

Auch an den Tonaufnahmen für den Film „Und Du mein Schatz fährst mit“ (am 8. und 25. September 1936) war er beteiligt. Pro Aufnahme erhielt er ein Honorar von 50 RM.

Das Meistersextett

Als sich die Comedian Harmonists 1935 wegen der jüdischen Herkunft dreier ihrer Mitglieder auflösten, gründeten die drei in Berlin verbliebenen Mitglieder (Robert Biberti, Ari Leschnikoff und Erwin Bootz) das "Meistersextett" und ergänzten sich mit drei weiteren Sängern. Im Lauf der Jahre kam es zu zahlreichen Personalwechseln. Beispielsweise mussten im Sommer 1936 ein Tenor und ein Bariton ersetzt werden. Zeitweise war Rudi Schuricke als neuer zweiter Tenor im Gespräch, dazu kam es aber nicht. Dafür sprang Zeno Coste einige Wochen als Interimstenor ein. Das Meistersextett bestand bis 1941.

Im September beschwert sich sein Bruder Brutus, der nun in Paris an der rumänischen Botschaft arbeitet, bei seinem Freund Anton Golopenția über mangelnde Kommunikation mit seinem Bruder: „Aber ich weiß nicht, was mit ihm los ist, weil er mir bei all meinen wiederholten Briefen nicht geantwortet hat.“

Einige Wochen später berichtet Brutus über einen geplanten Besuch seines Bruders in Paris, bei welcher Gelegenheit Zeno auch an der Opéra Comique vorsprechen und -singen sollte. (Nebenbei erwähnt Brutus seine heimliche Heirat, von der er den Adressaten aber bittet, zuhause in Rumänien Stillschweigen zu bewahren.) Tatsächlich fand der geplante Besuch Ende November/Anfang Dezember 1936 statt, zu einem Engagement in Paris kam es aber leider nicht.

Stattdessen nahm Zeno Anfang 1937 in Berlin zwei Platten als Refrainsänger mit dem Orchester Erhard Bauschke auf, und sang für den Film La Habanera mit Zarah Leander. Auch war er noch immer im Rundfunk zu hören, ebenso wie sein früherer Kardosch-Kollege Fritz Angermann.

1937 wird in Berlin das erste Kind des Ehepaars Coste geboren, eine Tochter namens Alexandra. 1938 ist die junge Familie in der Lutherstraße 40 gemeldet, als Berufsbezeichnung heißt es nun nicht mehr „Sänger“ sondern: „Dipl. Ing“.

Leider war es Zeno unmöglich in Berlin zu bleiben, denn im Jahr 1938 wurde er zum rumänischen Militär einberufen. Er ging nach Rumänien zurück, um dort die Situation zu klären – Militärdienst musste er schließlich doch nicht leisten – und fand eine Anstellung als Ingenieur in Bukarest. Der Kriegsausbruch und die äußeren Umstände machten die ersehnte Rückkehr nach Berlin unmöglich.

Aus einer undatierten Notiz aus der Brutus-Coste-Korrespondenz geht hervor, dass Zeno ihn 1938 oder 39 in London besuchte – wohin es Brutus im diplomatischen Dienst für Rumänien inzwischen verschlagen hatte. Im April 1938 tritt Zeno auf einem Konzert des Temeswarer Roten Kreuzes mit den bekannten Banater Künstlern Gabriele Dobrozemsky und Leo Freund auf. Die Banater Deutsche Zeitung schreibt:

Banater Deutsche Zeitung, 12. April 1938. Quelle: DifMOE

„Eine stimmlich erfreuliche Leistung brachte Zeno Coste dessen lyrischer Tenor in den Arien aus Boheme, Rigoletto, Carmen, besonders aber im Sole mio Innigkeit und Wärme und große Sicherheit in höheren Lagen zeigte. Der Beifall, den er erntete und die unvermittelte Stimmung die sein Gesang schuf, waren die untrüglichen Zeichen seines Erfolges.“

Auch Deli Hírlap berichtet durchaus angetan vom „Debüt“ des jungen Ingenieurs Zeno Coste! „Er sang die Arien von Puccini und Verdi in perfekter Schönheit“, „er sang mit italienischem Charme und Leichtigkeit“, „das Publikum feierte den hochengagierten jungen Tenor mit Applaus“

Konzertbericht im Deli Hírlap Temesvár, 13.4.1938

1938 kommt in Bukarest als zweites Kind der Sohn Mihai zur Welt. Als sein Geburtsdatum wird auf allen Webseiten (er wurde später rumänischer Volleyballnationalspieler!) der 9. Dezember genannt, in Wahrheit wurde er jedoch am 8. November geboren. Sein Vater („weil er ein großer Bohemien war!“ – Zitat Mihai Coste) vergaß schlichtweg seine Geburt anzumelden und holte das erst im Dezember nach.

Im Krieg trennen sich die Wege der beiden Brüder. Zeno leitet inzwischen eine Straßenbaufirma, und zieht mit Frau und Kindern nach Iași in Moldawien. Im Winter 1941/42 gibt es einen Versuch im dortigen Opernhaus die Rumänische Nationaloper Moldawiens zu etablieren. Der bekannte Dirigent Antonin Ciolan leitet einige Aufführungen, darunter auch Puccinis „La Bohème“ in der Zeno Coste die Rolle des Rodolfo übernimmt.

Auch bei Radio Moldawien war Zeno Coste im Jahr 1942 mehrmals zu hören, meistens mit Liedern oder italienischen Arien.

1943 wird Tochter Ileana geboren.

Im März 1944 singt er die Rolle des Alfred Germont in „La Traviata“, ebenfalls in Iași. Kurz darauf beginnen die heftigen Kämpfe um die Stadt, und als die russische Armee 1944 Moldawien besetzt, kehren die Costes überstürzt nach Timișoara zurück.

Dort arbeitete Zeno als Ingenieur, war aber nach dem Krieg auch als Solo-Sänger im Philharmonischen Chor und im Chor der Kathedrale engagiert, außerdem gab er Gesangsunterricht. Die Familie lebte noch immer im Haus in der Gheorghe Doja Straße das die Costes in den 20er Jahren bezogen hatten, musste es allerdings zeitweise mit zahlreichen anderen Bewohnern teilen.

Tragischerweise traf die Familie Coste 1948 ein schwerer Schicksalsschlag: die erstgeborene Tochter Alexandra starb mit 11 Jahren.

1955 und 1956 nahm Zeno Coste als Solist an großen Kirchenkonzerten in seinem Heimatort Ciacova teil, zusammen mit den bekannten Temeswarer Musikern Josef Brandeisz und Josef Gerstenengst, wie der Banater Musikwissenschaftler Franz Metz in seinem Buch „Josef Brandeisz und das Temeswarer Musikleben“ zu berichten weiß.

1969 versuchte Zeno über Willy Reichert (mit dem die Kardosch-Sänger mehrmals auf Tournee gewesen waren) herauszufinden, was aus den übrigen Kardosch-Sängern geworden war, und erhielt diese Karte von Reichert als Antwort:

Willy Reichert
Willy Reicherts Antwort auf Zenos Brief. Bei „Angerer“ handelt es sich um Oscar Angerer, den Konzertveranstalter bei dem Reichert und die Kardosch-Sänger unter Vertrag standen.

Zenos Vater Iuliu Coste war in den frühen 50er Jahren zeitweise wegen seiner politischen Tätigkeiten in den Vorkriegsjahren interniert, während Brutus Coste nach 1947 von seiner letzten diplomatischen Station in Portugal aus in die Vereinigten Staaten emigriert war und von dort über Jahrzehnte hinweg gegen das kommunistische Regime in Rumänien ankämpfte. Unter Anderem war er Direktor der International League for the Rights of Man und Generalsekretär der Assembly of Captive European Nations (ACEN) und seit seiner Gründung 1973 Vorsitzender des Truth about Romania Commitees. Seine Familie in Rumänien konnte er bis zu seinem Tod im Jahr 1984 nicht mehr wiedersehen, auch brieflicher Kontakt zu Bruder, Eltern und Patenkind Mihai war unmöglich. Es gab lediglich einen kurzen Briefwechsel zwischen Brutus und Mihai, während Mihai mit dem rumänischen Volleyballteam an den Olympischen Sppielen in Tokio teilnahm. Hier der Nachruf aus der New York Times, mit dem Hinweis auf seinen noch lebenden Bruder in Rumänien: neben der kleinen Notiz in der Brutus-Coste-Korrespondenz der Ausgangspunkt meiner Suche nach Zeno Coste im Nachkriegsrumänien!

1979 starb Zenos Frau Elena. Ein Jahr später reiste Zeno in die Bundesrepublik um sich einer Hüftoperation zu unterziehen. 1985 starb er im Alter von 78 Jahren an Nierenversagen.

Er ist im Familiengrab auf dem Cimitirul Cosminului in Timișosara begraben.


Zenos Sohn Mihai Coste setzte die sportliche Tradition der Familie fort und wurde 1963 mit dem rumänischen Volleyball-Team Europameister. Ein Jahr später konnte er mit der Mannschaft an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen und den 4. Platz belegen.

Auf druckeria.ro gibt es dieses Foto von Mihai Coste mit dem rumänischen Volleyballteam aus dem Jahr 1965. Man sieht Mihai stehend als zweiten von rechts mit der Nummer 12. Zeno Costes Kinder leben noch immer in ihrem Elternhaus in Timișoara

Zeno Coste und sein Sohn Mihai in den 60er Jahren, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Mihai Coste

Quellen:

Besonderer Dank geht an Mihai Coste und seine Ehefrau Adriana und seine Schwester Ileana Maries für Fotos, Informationen, Erinnerungen und ihre wunderbare Gastfreundschaft!

Außerdem Dank an Theo Niemeyer (für Hinweise zu Zenos Aufnahmen mit dem Meistersextett), Jan Grübler (für Informationen zu Biografie und Diskografie), Jens-Uwe Völmecke (für diskografische Hinweise zu den Columbia-Platten) und Dr. Nicholas Dima für seine Erinnerungen an Brutus Coste.

Weitere Quellen:

  • Fotos von Familie Coste und Martina Wunsch, Zeitungsausschnitte von Familie Coste
  • Instituția Prefectului Judetul Timiș: Prefecții de-a lungul timpului
  • Biografie von Iuliu Coste in der digitalen Bibliothek der “Lucian Blaga” Universität Cluj-Napoca
  • Die Brutus Coste Korrespondenz in: Rapsodia epistolară. Scrisori primite şi transmise de Anton Golopenţia (1923-1950) Vol.1: (Ion Adameşteanu – Nina Crainic), Ed. Albatros, Bucuresti, 2004
  • Aufnahmebuch Columbia Internationale Aufnahmen 1930-1938
  • Broodys Biografie von Zeno Coste auf: http://www.comedian-harmonists.net/
  • Josef Westner: VOKAL TOTAL bei der UFA. Filmauftritte deutscher Gesangsgruppen 1929 bis 1945, 2. Teil. Fox auf 78, Nr. 31
  • Peter Czada, Günter Große: Comedian Harmonists. Ein Vokalensemble erobert die Welt, Edition Hentrich 1993
  • Wolfgang Schneidereit: Discographie der Gesangsinterpreten der leichten Muse von 1925 bis 1945 im deutschsprachigen Raum: Eine Discographie mit biographischen Angaben in 3 Bänden. Band 1 und 2
  • Douglas E. Friedman: The Comedian Harmonists: The Last Great Jewish Performers in Nazi Germany, Booklocker.com, 2010
  • Illustrierter Filmkurier Nr. 336, 1766 und 1904
  • Franz Metz: Josef Brandeisz und das Temeswarer Musikleben. 2016, Edition Musik Südost, ISBN 9783939041245
  • Geschichte der Nationaloper in Iaşi
  • Biografie von Brutus Coste im Online Archive of California